Sonntag, 4. September 2011

Hunger..

Bei einem meiner WW-Treffen sprachen wir über Hunger. Körperlichen Hunger und mentalen Hunger.

Essen, wenn man keinen Hunger hat ist vergleichbar mit einer merkwürdigen Abhängigkeit. Einer der Therapeuten sprach über eine Frau, die einen erschreckenden Drang verspürte einzukaufen. "Du kannst nie genug haben von Dingen die du eigentlich nicht brauchst." Trifft das auf dich zu? Als ich das hörte fühlte ich mich sofort angesprochen.


Du kannst nie genug haben von Dingen die du eigentlich nicht brauchst.

Das zu hören war so wahr. In dem Fall der Frau sind es Klamotten gewesen, man kann den Satz aber auf alles beziehen. Auf jede Sucht. Ich habe sofort an Essen gedacht.

Wenn ich körperlich hungrig bin *braucht* mein Körper essen. Ich brauche Eiweiß, Balaststoffe, RICHTIGES NAHRHAFTES Essen. Wenn ich meinem Körper dieses Essen gebe, bin ich befriedigt und mache meine Sachen weiter ohne weiter darüber nachzudenken was ich noch essen könnte.

Aber wenn ich emotional und mental hungrig bin, esse ich was mein Körper eigentlich gar nicht braucht- ich fühle mich als ob ich nie genug von dem Essen kriegen könnte, spüre kein Sättigungsgefühl (wie auch, wenn ich vorher keinen Hunger hatte) und kann Literweise Eis verdrücken, Schokoladentafeln essen, Süßigkeiten sowieso, Weißbrot mit Käse essen und vieles mehr. (Und JA! Mit einer Essstörung passiert so etwas mal , man kann es akzeptieren oder daran arbeiten, dass es nicht mehr so häufig auftritt).
In solchen Momenten ist mir schlecht, aber befriedigt bin ich nie. Egal wieviel ich konsumiert habe, ich kann niemals genug bekommen von den Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche.

Als ich den Satz gehört habe, konnte ich nicht glauben ,dass ein einziger kurzer Satz die ganze Problematik so genau beschreibt. Wie ein einziger kurzer Satz sich auf mein Leben bezog und das Leben vieler Personen, die täglich gegen ihre Essstörung bzw ihr Übergewicht kämpfen. Dieser Satz ist so wahr.

Einen anderen wahren Satz brachte eine Freundin von mir, mit der ich mich letzte Woche traf: "Wir essen uns stumm. Ich bin traurig also esse ich. Dann bin ich wütend, weil ich das alles gegessen habe und denke daran was ich mir und meinem Körper damit angetan habe . "
Ich stimme dem total zu. Ich denke so geht es vielen von uns. Ich habe das ganze nie aus der Perspektive betrachtet. "Ich bin traurig-also esse ich" wandelt sich in "ich bin wütend, weil ich das alles gegessen habe."

Der Satz hat mich tief berührt, denn ich realisierte, dass ich das Gefühl von Wut besser verarbeiten kann als das Gefühl der Einsamkeit/Verletztheit/Trauer. Also versuche ich so oft es geht meine Trauer in Wut umzuwandeln. Sprich: durch Essen.

Wut war das was ich verstand. In meiner Kindheit war ich nie Einsam/Traurig oder Verletzt. Ich wuchs sehr behütet auf. Aber ich war oft wütend. Wegen diversen Kleinigkeiten. Das ist wohl einer der Gründe warum ich nicht mit den anderen Gefühlen umgehen kann. Weil ich sie nicht gut genug kenne und sie mir Angst machen.

Was macht man mit Geühlen die einem fremd sind? Man wandelt sie um in bekannte Gefühle.

Das Essen war der Weg mich aus meiner traurigen Phase sprich: der Realität herauszuholen. Wenn ich wütend bin kann ich nicht traurig sein. Problem gelöst, richtig?

Momentan esse ich nicht um Trauer durch Wut zu ersetzen. Ich arbeite hart an mir und auch als ich in den letzten Wochen traurig oder frustriert war aß ich nicht.

Ich bin aber schlau genug um aufzupassen. Ich bin nicht geheilt von emotionalem Essen. Ich muss bis an mein Lebensende aufpassen und an mir arbeiten. Aber momentan fahre ich besser wenn ich meine Gefühle analysiere, akzeptiere und zulasse. Es ist ok traurig zu sein. Es ist ok verletzt zu sein. Es ist auch ok frustiert zu sein. *Fühle deine Gefühle und füttere sie nicht*

Es ist jetzt natürlich starker Tobak, aber denkt mal drüber nach was euch triggert. Sind es bestimmte Lebensmittel oder spezielle Gefühle?

"Wenn Hunger nicht das Problem ist, ist essen nicht die Lösung."


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